Giftfreies Gärtnern

Das Who’s Who im quietschfidelen Garten

 
Phytophtora. Foto © W. Kreckl, LfL Freising

Kraut- und Knollenfäule

an Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Paprika
An Kartoffelpflanzen bilden sich erst gelbliche, dann bräunliche unregelmäßige Flecken an Blättern und Stängeln, die faulen oder austrocknen. An der Blattunterseite zeigt sich meist ein weißlicher Pilzrasen. Oft stirbt nur das Laub und der Knollenertrag ist verringert. Die Knollen können bei der Ernte oder bei starkem Niederschlag über den Stängel infiziert werden. Die Knollen haben dann graubraune Flecken, meist eingesunkenes und rotbraun verfärbtes Fleisch und faulen im Lager.
Bei Tomaten – besonders  im Freiland – zeigen sich ähnliche Symptome. Die älteren Blätter werden zuerst befallen, das Kraut stirbt ab. Die Stängel haben scharf begrenzte braune Flecken. An den Früchten entstehen auf der oberen Hälfte graugrüne bis braune Flecken.

Biologie

Der Pilz (Phytophtora infestans) überwintert auf infizierten Kartoffelknollen (Saatgut, Erntereste), auf Pflanzenresten im Boden und an Werkmaterialien im Garten. Bei steigenden Temperaturen und hoher Feuchtigkeit bilden sich Sporen, die vom Wind verteilt werden. Auf der Wirtspflanze keimen sie auf nassen Blättern, Stängeln oder Früchten und dringen in das Gewebe ein. An der infizierten Stelle werden innerhalb kürzester Zeit neue Sporen gebildet, so dass sich die Pilzerkrankung sehr schnell ausbreiten kann. Die Sporen infizieren Kartoffeln ab Mitte Juni, von dort verbreiten sie sich auch auf Tomaten.

Anbauempfehlung

  • Fruchtfolge einhalten.
  • Widerstandsfähige Sorten wählen.
  • Gesundes Saatgut verwenden.
  • Tomatensorten mit lockerem Blattwerk und frühe kleinfruchtige Sorten sind weniger betroffen.
  • Frühe Kartoffelsorten anbauen und vorkeimen lassen.
  • Pflanzreihen in Hauptwindrichtung anlegen und größere Pflanz- und Reihenabstände einhalten, damit die Pflanzen besser abtrocknen.
  • Tomaten und Kartoffeln weit voneinander entfernt anpflanzen.
  • Tomaten überdacht anbauen, um sie vor Regen zu schützen.
  • Keine einseitige Stickstoffdüngung.

 

Abwehr

Kulturführung

  • Erste befallene Kartoffelpflanzen vernichten um Ausbreitung zu verhindern.
  • Bei Tomaten befallene und alte Blätter entfernen.
  • Tomaten nur von unten gießen und mulchen, damit kein Gießwasser hochspritzen kann.
  • Keine hohe Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus.
  • Tomaten im Freiland nicht ausgeizen, im Gewächshaus regelmäßig ausgeizen.
  • Wenn sich die Reihen schließen, Pflanzen vorbeugend 4 Mal im Wochenrhythmus mit Algen- oder Gesteinsmehl bestäuben.
  • Tomatenpflanzen vorbeugend wöchentlich mit einer Mischung aus Magermilch und Wasser (1:1) spritzen.
  • Möglichst früh und vollständig abernten und befallene Pflanzenreste vernichten.
  • Bei Kartoffeln nach dem Entfernen des Krautes die Knollen ca. 3 Wochen im Boden belassen, damit die Schale robuster wird.


Nützliche Pflanzen

Vorbeugende pflanzliche Spritzung sowie Ausbringung auf dem Boden um die Pflanze herum mit:

  • Tee aus gehackten Rhabarberblättern (hat eine verzögernde Wirkung auf die Infektion),
  • Brennnesselbrühe oder Algenextrakten (um das Pflanzenwachstum zu fördern),
  • Zwiebelschalen-/Knoblauchtee oder Ackerschachtelhalmbrühe.

 

Quellen:
Biologischer Pflanzenschutz im Garten. Otto Schmid, Silvia Henggeler. 10. Auflage 2012. Ulmer Verlag

Das große Bio-Gartenbuch. Andrea Heistinger, Verein Arche Noah. 6. Auflage 2016. Löwenzahnverlag
Pflanzenschutz im Biogarten. Marie-Luise Kreuter. 5. Auflage 2003. BLV Verlag
www.oekolandbau.de
www.hortipendium.de/
Fotos: W. Kreckl, LfL Freising: Phytophtora

Pflanzenschutzamt Berlin: Phytophthora am Kartoffelblatt, Phytophthora an Kartoffel, Kraut- und Braunfäule an Tomaten, Kraut- und Braunfäule an Freilandtomaten, Kraut und Braunfäule an Freilandtomaten Fruchtbefall
CC BY-NC 3.0 Gerald Holmes, California Polytechnic State University at San Luis Obispo: Bugwood.org